Die Kamera und ich

April 02, 2019 Jill Carstens Über Fotografie Jill Carstens 0 comments
Hey, ihr Lieben!
Es sind ja jetzt schon einige Jahre, die ich hier im Süden Baden-Württembergs lebe. Aber sobald ich den Mund aufmache, hört es jeder Schwabe sofort: „Die ist nicht von hier.“ Stimmt ja auch – ursprünglich komme ich vom anderen Ende Deutschlands. Und bevor ich hierher kam, war ich in Hamburg und Kiel, an der Ostsee und auf Sylt unterwegs. Eine Reise, die nicht nur mich als Person, sondern auch meine Art, die Welt zu sehen und zu fotografieren maßgeblich beeinflusst hat.
Was ich damit meine? Nun ja: Fotografiert habe ich schon immer. Was und wie, das hat sich im Lauf der Jahre allerdings verändert. Man lernt schließlich nie aus.
Aber fangen wir am besten ganz von vorn an.

Jill, die Kamera und das Wattenmeer

Geboren bin ich in Plön. Das ist eine Stadt in der Nähe von Kiel, in der Holsteinischen Schweiz. Wann ich zum ersten Mal eine Kamera in die Hand genommen habe, das kann ich nicht sicher sagen. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, klickte und blitzte es immer irgendwo. Das lag daran, dass mein Papa schon immer leidenschaftlich gern fotografiert und dieses Hobby gern mit seiner neugierigen kleinen Tochter geteilt hat. So durfte ich schon als Kind die Welt durch den Sucher entdecken. Das Gefühl der Spiegelreflexkamera in meinen Händen, das ist eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen. Mein Vater hat meine Begeisterung für Fotos immer gefördert, weil ich in seinen Augen ganz instinktiv viel richtig machte: Die kleine Jill schnappte sich – so haben es meine Eltern mir jedenfalls erzählt – die Kamera und hielt sie eben nicht quer, sondern gleich im Hochformat. Und das hat meinem Vater so gut gefallen, dass ich mit seiner Kamera fotografieren und sie auch mitnehmen durfte. Das war schon ein extrem cooles Gefühl, wenn ich als Jugendliche mit dieser Spiegelreflexkamera losziehen konnte.
Als ich dann meinen Realschulabschluss in der Tasche hatte, war ich mir aber noch nicht sicher, was ich beruflich machen wollte. Deshalb habe ich erst einmal ein Freiwilliges Ökologisches Jahr gemacht. Das war in Tönning, einer kleinen Stadt in Nordfriesland. Dort gibt es eine Jugendherbergemit einem „Umweltstudienplatz Nordseeküste“. Das bedeutet, dass dort ein modernes Wasserlabor zur Verfügung steht, von dem aus Umweltpädagogik betrieben wird. Ich hab von dort aus ganze Schulklassen durchs Watt gescheucht – was auch echt lustig war. Aber noch besser als Schüler, die hochkonzentriert nach Wattwürmern suchen, hat mir die Möglichkeit gefallen, mir die Kamera zu schnappen und selbst loszuziehen. Das Watt, das Meer, die Menschen: Überall waren Motive, die ich unbedingt festhalten wollte.
Und als sich dann das Freiwillige Ökologische Jahr dem Ende zuneigte und ich mich entscheiden musste, wie es weitergehen sollte … tja. Dann hab ich mich als Fotografin beworben. So kam ich nach Hamburg, als Azubi in einem kleinen Portraitstudio.

Von Lehrjahren, Laboren und Hunderten von Portraits

Wer denkt, dass in einem Portraitstudio ausschließlich mit Pass- und Bewerbungsbildern hantiert wird: Weit gefehlt! Als Portrait zählt jedes Foto, auf dem ein Gesicht abgebildet ist. Wie viel oder wenig dabei von der Person zu sehen ist, das kann variieren. Und übrigens können auch Tierfotos waschechte Portraits sein! Während meiner Ausbildungszeit in Hamburg kamen daher neben den obligatorischen Pass- und Bewerbungsbildern also auch Hochzeitsfotos, Familienportraits, Babybauch-Bilder und vieles mehr zusammen.
Wir waren in diesem Studio zu dritt: Die Chefin, mein Mitlehrling und ich. Wie wir alle wissen, sind „Lehrjahre keine Herrenjahre“, und klar: Die Ausbildung war nicht immer nur Spaß und Heiterkeit. Aber ich habe damals das Handwerk von der Pike auf gelernt. In dem Studio wurde noch analog fotografiert, weshalb ich auch heute noch im Schlaf Filme entwickeln kann. Wir hatten dort auch ein eigenes Schwarz-Weiß-Labor, in dem die Chefin in jeder Mittagspause gewerkelt hat. Da war ich oft mit von der Partie. Wenn ich nur daran denke, dass zu der Zeit noch im Labor geraucht wurde … links die Chemiebäder, rechts die rauchenden Kollegen. Da wird es mir schummrig, wenn ich nur dran denke! Heute unvorstellbar, so etwas. Aber für dieses Labor war das Studio in der ganzen Stadt bekannt. Lange Zeit waren nämlich für Bewerbungen stilvolle Schwarz-Weiß-Bilder üblich. Die konnte aber längst nicht jeder Fotograf entwickeln. Wer also professionelle schwarz-weiße Bewerbungsfotos wollte, der kam zu uns – aus dem Stadtgebiet und auch aus dem Umland. Hin und wieder kamen sogar die großen Hamburger Museen, wenn sie entsprechende Abzüge brauchten.
Auch wenn wir erst gegen meiner Ausbildung auf digitale Fotografie umgestiegen sind, gelten die Grundlagen, die ich als Azubi in Hamburg gelernt habe, bis heute. Am harmonischen Aufbau eines Bilder, am richtigen Zeitpunkt für die Aufnahme und an all diesen Aspekten, die aus einem guten ein sehr gutes Foto machen, hat sich schließlich nichts geändert.

Von der Ostsee bis nach Sylt

Nach Abschluss meiner Lehre bin ich nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt, und zwar nach Kiel. Dort habe ich anderthalb Jahre lang in einem Portraitstudio gearbeitet. Neben einem Labor verfügte dieses Studio auch über einen eigenen Fotomarkt. Die beste Gelegenheit, alles Mögliche über technische Neuerungen und über verschiedene Kameramodelle und -hersteller zu lernen, das kann ich euch sagen! Auch hier habe ich aber vor allem im Labor gearbeitet. Da kannte ich mich einfach bestens aus – und das hat mich auch zu meinem nächsten Job gebracht. An der Ostsee, in Bad Malente, war ich als Leiterin eines Portraitstudios angestellt, das ebenfalls ein eigenes Labor hatte. Klein aber fein.
Von dort aus ging ich schließlich nach Sylt. Und mit einem Mal veränderten sich meine Schwerpunkte im Tagesgeschäft vollkommen. Hatte ich vorher vor allem im Studio und im Labor gearbeitet, war ich jetzt plötzlich pausenlos draußen unterwegs. Wind und Wetter, Strand, Düne und nasse Zehen: Das erinnerte mich richtig an meine Streifzüge während des Freiwilligen Ökologischen Jahrs. Natürlich kam auch hier die Studio- und Laborarbeit nicht zu kurz – Portraits sind immer gefragt und die Bilder entwickeln sich auch nicht von allein. Aber Sylt zählt nun einmal zu den beliebtesten Hochzeits-Locations in Deutschland. Geheiratet wird da natürlich am liebsten am Strand, direkt am Meer. Und wenn das Wetter mitspielt, wird auch draußen gefeiert. In meinen zwei Jahren auf Sylt habe ich mehr als 300 Hochzeiten begleitet.
Neu für mich war auch, dass hier viel Architektur-Fotografie betrieben wurde. Die zahlreichen Ferienwohnungen und -häuser auf der Insel werden in Katalogen und im Internet beworben. Und dafür braucht es Bilder, in die sich Urlauber auf den ersten Blick verlieben. Neben viel, viel Erfahrung als Hochzeitsfotografin konnte ich mir also auch große Routine in Sachen Immobilien-Fotografie aneignen. Oh, und das Essen! Für die Restaurants auf Sylt haben wir auch Fotos für Speisekarten und Werbung gemacht. Diese Menüs waren auch immer ein Anblick, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenlief. Den Reiz der Food-Fotografie kann ich seitdem sehr gut verstehen: Ein gutes Foto von einem tollen Gericht lässt mich das Essen schon fast schmecken.

Aber auch meine Zeit in Sylt ging irgendwann zuende. Ihr folgte ein denkbar drastischer Ortswechsel: Einmal quer durch die Bundesrepublik ging es nach Baden-Württemberg. Weil aber auch das eine ziemlich lange Geschichte ist, eine Geschichte von der Liebe, von Selbständigkeit und Rauhaardackeln, erzähle ich sie euch das nächste Mal 🙂

Wir lesen uns!

Eure Jill

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